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10. Okt. 2018 – Ausflug nach Eckartsau

Besuch Schloss Eckartsau

historischer Rückblick, – Zerfall der k. u. k. Monarchie

Anlässlich 100 Jahre Ende des 1. Weltkrieges und Auflösung der k. u. k. Monarchie besuchen wir am 10. Oktober 2018, das Schloss Eckartsau, um an einer Schlossführung teilzunehmen und die Ausstellung: „Karl & Zita – im Schatten der Geschichte“ zu besichtigen.

Das Jagdschloss Eckartsau, eines von sechs Marchfeldschlössern östlich von Wien, am Rande des Nationalparks Donau-Auen, war ursprünglich als Wasserburg im 12. Jahrhundert durch die Herren von Eckartsau errichtet worden. Nach mehrmaligen Besitzerwechseln kauft 1720 der böhmische Hofkanzler Graf Kinsky die Burg und lässt sie durch Fischer von Erlach d.J. zum Barockschloss umbauen. 1760 erwerben Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia das Schloss und beauftragen Franz Anton Hillebrand mit Erweiterungen und Umbauten. Nach dem Tode Maria Theresia verfällt das Schloss, das 1797 in die Familienstiftung des Hauses Habsburg eingetragen wird. 1897 erwirbt es der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und erteilt Victor Siedek den Auftrag zur Generalsanierung. Als Sitz der russische Kommandantur während der Besatzungszeit ist es vor Plünderungen verschont und relativ gut erhalten geblieben. Seit 1955 ist es Teil der Österreichischen Bundesforste.

Da unsere Gruppe teils öffentlich mit Bus oder mit  PKWs anreist, treffen wir einander vor dem Schloss. Nach herzlicher Begrüßung bei herrlichstem Wetter mit spätsommerlichen Temperaturen nehmen wir im Schlosshof an den aufgestellten Tischen Platz und bedienen uns mit Speis und Trank aus dem Schloss Café. Frisch gestärkt, besuchen wir dann noch vor der Schlossführung die Sonderausstellung, Karl & Zita – im Schatten der Geschichte.

In der Ausstellung werden Werdegang Karls zum Thronfolger und Untergang der Monarchie sowie Kriegselend anhand von Artefakten, Dokumenten und Filmen illustriert dargestellt.

Nach der Ermordung seines Onkels Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo – Auslöser des Ersten Weltkriegs – wird Karl (*17.8.1887, †1.4.1922) Thronfolger. Zwei Jahre später, nach dem Tode Kaiser Franz Joseph I., als Karl I. (21.11.16) in Cisleithanien inthronisiert und in Ungarn zum König Karl IV. gekrönt (30.12.16). Er ist bemüht den Krieg zu beenden und versucht über die familiären Verbindungen der Habsburger mit den Königshäusern Europas und denen seiner Frau Zita mit Italien und Frankreich, Friedensverhandlungen zu erreichen. Das ist Kaiser Wilhelm II bekannt (Zita, Interview 1972: „Die Kronzeugin“). Die Deutsche Oberste Heeresleitung unter Ludendorf und Hindenburg will jedoch nur als Sieger verhandeln und verweigert jegliche Friedensverhandlungen. Karl I. wird als Verräter dargestellt.

Der am 3.11., für den 4. 11., in der Villa Giusti bei Padua abgeschlossene Waffenstillstand bringt bis Kriegsende noch rund 356 000 k u. k. Angehörige in italienische Gefangenschaft, da die k. u. k. Militärs bereits am 3. 11. die Waffen niederlegen, die Italiener jedoch weiter vorrücken.

Am 11. November 1918 unterzeichnet Kaiser Karl I in Schönbrunn die Verzichtsurkunde „auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften zu verzichtet“. Er dankt aber nicht ab.

Da sich die Leibgarde nachts zuvor aus Schloss Schönbrunn trotz Erneuerung des Treueeids (Zita, Interview 1972) abgesetzt hat übersiedelt die Kaiserfamilie von Schönbrunn ins Jagdschloss Eckartsau. In dem kleinen Jagdschloss sind Versorgung und Bewirtschaftung trotz Not und Elend der Nachkriegszeit gewährleistet. Im Chaos des Kriegsendes sind Plünderungen durch marodierende Soldaten und gewaltsamen Ausschreitungen gegen Offiziere keine Seltenheit.

Tags darauf, am 12.11., Ausrufung der Republik Deutschösterreich durch zwei der drei Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung, Franz Dinghofer und Karl Seitz, vor dem Parlamentsgebäude.

Am 13.11. unterzeichnet Karl in Eckartsau auch die Verzichtserklärung für die ungarische Reichshälfte, er „verzichtet auf jegliche Beteiligung an den Regierungsgeschäften“.

König Georg V. sendet, eingedenk des Schicksals der Zarenfamilie (1918), im Februar 1919 Oberstleutnant Edward Strutt zum Schutz und um Karls Reise ins Exil zu organisieren. Am 23.März 1919 fährt die Kaiserfamilie vom Bhf. Kopfstetten mit dem Zug in die Schweiz.

Nach zwei gescheiterten Restaurationsversuchen zur Wiedererlangung der Macht in Ungarn (1921), wird Karl auf die Atlantikinsel Madeira verbannt, wo er am 1. April 1922 stirbt und nahe Funchal in der Kirche Nossa Senhora do Monte die letzte Ruhestätte findet.

 

Die in der Ausstellung vermittelten Eindrücke und Erkenntnisse bewirken, dass wir uns während der Führung durch die Räumlichkeiten des Schlosses um 100 Jahre zurück in die Vergangenheit versetzt fühlen. Inventar und Utensilien des kaiserlichen Alltags, gedeckter Tisch und Menü-Karte des „Letzten Abendmahls“ in Eckartsau vor dem Exil, Geschenkpakete unterm Weihnachtsbaum, Jagdtrophäen und Jagdfotos, z.B. von Kaiser Wilhelm II., sowie die Schlosskappelle, wo die Abschiedsmesse stattgefunden hat, wecken Emotionen und lassen uns die Atmosphäre der letzten Tage vorm Exil nachempfinden.

Nach der sehr beeindruckenden Schlossführung wieder zurück in der Gegenwart, fahren wir mit Taxis über die Donaubrücke nach Hainburg zum Heurigen, um die vielen Eindrücke bei Speis und Trank zu verarbeiten und den Tag in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen. Spät abends geht es dann mit der S-Bahn zurück nach Wien.

 Mike